Stadtteil Zoo – Sonnborn – Vohwinkel

 

Zoo – Viertel

Das Wohnviertel in unmittelbarer Nähe zum Tiergarten zählt heute wie damals zu den bevorzugten Wohngegenden Wuppertals. Nach dem Bau der Eisenbahnlinie und der Eröffnung des Zoos sahen viele reiche Elberfelder voraus, dass sich dieses bislang brach liegende Areal zu einem Exklusivviertel entwickeln würde. So wurde Ende des 19. Jahrhunderts eine Villa neben die nächste gebaut und die Gegend wuchs tatsächlich zu einem Viertel für reiche Unternehmer und Fabrikanten heran, in dem aber auch Reihenhäuser für das gehobene Bürgertum ihren Platz fanden.

 

Märchenbrunnen

Eines der nettesten Denkmäler Wuppertals ist im Zooviertel zu finden. Mitten auf der Kreuzung zwischen Jäger-, Wotan-, Donar- und Baldurstrasse steht der Märchenbrunnen von 1897. Er zeigt Motive aus den Märchen der Gebrüder Grimm.

 

Bahnhof Zoo

Im Vergleich zu anderen Bahnhöfen an der Bergisch – Märkischen Eisenbahnlinie hebt sich diese Station aufgrund ihrer exklusiven Fachwerkarchitektur ab. Sie wurde zeitgleich mit der Zoo - Eröffnung im Jahre 1881 fertiggestellt. Heute befindet sich das nach langer Restauration wieder im ursprünglichen Zustand versetzte Gebäude in Privatbesitz. Der ehemalige Bahnhof ist inzwischen lediglich Haltepunkt für die S – Bahn.

 

Zoo – Gaststätten

Die Zoofestsäle sind heute ein beliebter Austragungsort für Bälle und andere gesellschaftliche Veranstaltungen. Wie der Tiergarten und der Bahnhof wurden auch dieses von außen sehr edel anmutende Gebäude im Jahre 1881 fertiggestellt. Von Beginn an gab es im Innern der Zoofestsäle ein Restaurant mit Café.

 

Zoologischer Garten

Zwei Jahre nach der Gründung der Aktiengesellschaft Zoologischer Garten wurde der Tierpark, der durch die Bergisch – Märkische Industriegesellschaft finanziert wurde, im September 1881 eröffnet. Er zeichnete sich schon damals durch die landschaftlich reizvolle Lage aus und lockte viele Besucher in das neu erschlossene Gebiet. Die Tierauswahl war damals allerdings noch sehr dürftig. Neben den heimischen Tieren Igel, Fuchs, Fledermaus, Ratte, Natter, Bussard und Dogge beherbergte der Zoo lediglich vier Papageien, zwei Wölfe und einen Braunbär. Doch die gepflegte Grünanlagen und die artenreiche Botanik machten den Zoo trotzdem zu einem beliebten Ausflugsziel, der sich im Laufe der Zeit immer weiter vergößern konnte. Bald kamen ein Straußen- und Antilopen-, sowie ein kleines Affenhaus hinzu. Den Karakter eines richtigen Tierparks bekam der Garten schließlich in den ersten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts, als ein Raubtierhaus, ein größeres Affenhaus, ein Aquarium und ein Elefantenhaus errichtet wurden. In den dreißiger Jahren wurde der Zoo von der Stadt Wuppertal übernommen. Den Krieg hat er fast unbeschadet überstanden, und so konnte er bis in die heutige Zeit mit Neubauten kontinuierlich ergänzt werden. 1951 entstand das Kleinkatzenhaus, 1952 das Haus der Zebras und Antilopen, 1955 das Bisonhaus, 1960 das Vogelhaus, 1966 die Gibbonanlage am Großen Teich, 1970 das Großkatzenhaus und 1971 die Pinguinanlage. Des weiteren wurde ein neues Menschenaffenhaus, ein Aquarien- und Terrariengebäude und viele andere kleinere Anlagen gebaut, die zum Teil nach modernen Maßstäben neu gestaltet oder erweitert worden sind. Die jüngsten Projekte sind die Eisbäranlage, die Vogelfreiflughalle und das 1995 eröffnete Elefantenhaus. Insgesamt existieren mittlerweile neun zu besichtigende Tierhäuser und 35 Freigehege. Für das Wassergeflügel sind vier Teiche vorhanden. Heute gibt es in dem zwanzig Hektar großen Zoo zirka 4000 Tiere in 500 Arten. Jährlich kommen 750 000 Besucher.

 

Stadion

Die beste und schönste Anlage auf deutschem Boden, jubelte die Presse, als das Elberfelder Stadion am 5. Oktober 1924 eingeweiht wurde. Technische Vollendung und die einzigartig verkehrstechnisch günstige und landschaftliche Lage wurden gerühmt und stolz vermerkte man daß Elberfeld mit einer Radrennbahn von 500 m Länge allein von Berlin übertroffen wurde: Mit zwölf Meter Breite aber stand sie unangefochten an der Spitze. Zur Eröffnung kamen zahlreiche Gäste, unter ihnen auch Kölns Oberbürgermeister Adenauer. Lediglich die Nachbarstadt Barmen hatte keinen Vertreter entsandt, und auch in dem „Barmer-Anzeiger“ nahm man nur mit einer Elf-Zeilen-Meldung Notiz. Schulkinder und Musikkapellen, Turner und Radfahrer, Kegler, Fechter und Leichtathleten gaben sich zur Eröffnung ein Stelldichein, und das bei echt Wuppertaler Regenwetter. „Was die Stadion A.G. gleich am ersten Tag bietet“ schrieb die Sport-Rundschau als Beilage zum General-Anzeiger, „ist Radrennsport in so großem Ausmaß, von einer so verschwenderischen Fülle, daß sie zu der Behauptung berechtigt, unter den gegenwärtigen Verhältnissen sei im ganzen internationalen Berufs- und Amateurrennsport besseres garnicht zu bringen“. Anschließend gab es gleich beim ersten sportlichen Wettkampf eine Bestleistung: Der Berliner Karl Sadow verbesserte seinen Stunden-Weltrekord auf der Radrennbahn auf 85,08 Kilometer pro Stunde. Seit der letzten Weltmeisterschaft in dieser Disziplin 1954 wurde die Piste vernachlässigt bis sie im Zuge der großen Umbauarbeiten abgebrochen und in die Zuschauerränge integriert wurde. Nachdem Anfang der neunziger Jahre Teile des Stadions wegen Einsturzgefahr nicht mehr betreten werden durften, entschied man sich für den Abriss der alten Tribühne. Nur die Fassadenwand ist übriggeblieben und wurde sorgsam restauriert. Hinter dem Haupteingang an der Ostkurve befindet sich das im gleichen Baustil gehal-tene Stadion – Restaurant. Eine Dachterrasse ermöglicht eine Sicht auf das Spielfeld. Das Stadion ist Heimat des Wuppertaler Sportvereins.

 

Sonnborn

Bevor Sonnborn mit Vohwinkel zusammengewachsen war, galt die kleine Ortschaft jahrhundertlang als westlicher Elberfelder Vorposten. Doch zumindest ihren Namen nach dürfte sie wohl eine der ältesten Siedlungsgebiete auf Wuppertaler Boden sein, denn das Wort bedeutet Sonnenbrunnen und lässt auf eine heidnische Kultstätte schließen. Politisch gehörte Sonnborn abwechselnd zu Solingen, Elberfeld und Haan und bildete 1867 bis 1888 zusammen mit Vohwinkel eine selbständige Bürgermeisterei. Bekannt ist Sonnborn heute weniger wegen seiner Geschichte als vielmehr wegen seines gewaltigen Autobahnkreuzes, dass in den Stadtteil hineingebaut worden ist. Aus heutiger Sicht wäre es wohl undenkber gewesen, aber Ende der sechziger Jahre, als die Verkehrsplanungseuforie ihren Höhepunkt erreicht hatte und man der autogerechten Stadt absoluten Vorrang vor allen übrigen städtebaulichen Erwägungen einräumte, besaß man nicht die geringsten Skrupel, mitten in bebautes Gelände einen solchen Verkehrsknotenpunkt hineinzusetzen. Um dem Mammutprojekt Platz zu schaffen, musste fast die Hälfte des Stadtteils gerodet werden. Dort, wo sich heute die A 46 mit den vierspurigen Schnellstrassen B 224n, L 418 und L 74 kreuzt, lag vormals der westliche Teil von Sonnborn. Für dieses Werk wurden 65, größtenteils historische Gebäude und 576 Wohnungen abgerissen und auf ihrer  Fläche eine Erdmassenbewegung von 550 000m³ vorgenommen. Zirka 2 000 Einwohner mussten sich eine neue Bleibe suchen. Der Verkehrsknotenpunkt wurde damals als größtes und modernstes Autobahnkreuz in Europa gefeiert. Hauptgeschäftsstrasse des Stadtteils ist die Sonnborner Strasse, die aufgrund der Schwebebahnüberführung sehr an die Kaiserstrasse in Vohwinkel erinnert. Sie weist allerdings einen weniger starken Durchgangsverkehr und eine geringere Lebendigkeit auf. Ursprünglich war die Sonnborner Strasse mit der Vohwinkler Hauptverkehrsstrasse verbunden, was sich nach dem Bau des Autobahnkreuzes änderte. Es zerschnitt diese Verbindung, ließ die Sonnborner Strasse in einer Sackgasse enden und schuf für den Durchgangsverkehr eine Ortsumfahrung am Wupperufer entlang. Aber eines hat die Sonnborner mit der Kaiserstrasse gemeinsam: So wie im Vohwinkler Zentrum findet auch hier alljährlich ein großer Flohmarkt unter der Schwebebahn statt.

 

Sonnborner Brücke

Das Imposante Eisenbahnviadukt der Bergisch – Märkischen Eisenbahnlinie überquert bei Sonnborn das Tal der Wupper und als einziges Bauwerk auch die Schwebebahnstrecke. Es wurde nach dem Abriss des ersten Viaduktes, das 1839 – 1841 rechtzeitig zur Eröffnung der ersten Eisenbahnverbindung in Wuppertal errichtet wurde und mit fünf Pfeiler im Wupperbett stand, in den Jahren 1910 – 1914 als einheitliches Bogenviadukt ohne Pfeiler gebaut um die Kapazität der Strecke von ursprünglich zwei auf nunmehr vier Gleise zu erhöhen. Von der Sonnborner Strasse entstanden hier die berühmten Werbeaufnahmen der Verkehrsbetriebe, die an dieser Stelle die Verkehrsmittel Bus, Strassenbahn, Schwebebahn, Eisenbahn und manchmal sogar noch Zeppelin auf einem Bild darstellen konnten. Nach dem Bau der neuen Strassenbrücke und dem Wegfall der Strassenbahn ist eine solche Aufnahme leider nicht mehr möglich.

 

Sonnborner Hauptkirche

Das imposante evangelische Gotteshaus an der Sonnborner Strasse, das fast wie eine Burg am Eingang des Stadtteils thront, ist im Vergleich zu anderen Kirchen recht jungen Datums. Es stammt aus dem Jahre 1922, hatte aber an der selben Stelle einen Vorgängerbau, der 1917 einem Brand zum Opfer fiel. Bedeutend ist vor allem die Orgel aus der Orgelwerkstatt Faust.

 

St. Remigius

Das seltsam anmutende Bauwerk an der Garterlaie, was jeder Fremde wohl eher für einen Industriekomplex halten würde, ist die moderne Fassung der historischen Kirche St. Remigius, die in den siebziger Jahren dem Autobahnbau zum Opfer gefallen ist. Die 1974 entstandene katholische Anlage besteht aus dem Kirchenbau, den Gemeindebauten und einem Altenheim.

 

Gigantisches Straßenbauwerk in Sonnborn

Über sechs Jahre dauerten die Arbeiten auf der Großbaustelle in Sonnborn. Am 16. Mai war es endlich so weit. In Anwesenheit des damaligen Nordrhein-Westfälischen Wirtschaftsminister Horst Ludwig Riemer wurde das Sonnborner Autobahnkreuz, das „Millionending von Wuppertal“, auf allen Fahrspuren für den Autoverkehr freigegeben. Kostenpunkt des gigantischen Straßenbauwerks: 150 Milionen Mark. Davon gingen allein 120 Millionen Mark auf Kosten des Bundes, den Rest zahlte das Land Nordrhein-Westfalen. Auf einer Straßenlänge von rund 2,5 Kilometern verbindet das Sonnborner Kreuz die Autobahn Düsseldorf-Wuppertal-Haßlinghausen mit den Fernstraßen nach Essen, Remscheid, der Autobahn ins Ruhrgebiet und dem örtlichen Straßennetz. Streckenweise verlaufen bis zu 13 Autobahnspuren über- und nebeneinander. Sinn und Zweck der riesigen Autobahnkreuzung: Eine Entlastung der innerstädtischen Straßen und ein direkter Autobahnanschluß an die Wirtschaftszentren an Rhein und Ruhr. In seiner Ausgabe vom 17. Mai 1974 bezeichnete der General-Anzeiger den Sonnborner Knoten auch als „ein Stück Strukturförderung für die Stadt“. Damals zählte man am Sonnborner Kreuz eine Spitzenbelastung von 50 000 Fahrzeuge pro Tag. Heute rollen täglich rund 80 000 Autos über das 243 500 Quadratmeter große Autobahnteilstück. Doch bevor die erste Autokolonnen über die riesige Verkehrsanlage – man sprach vom größten Autobahnkreuz Europas – fahren konnten, mußten erst einmal 985 000 Kubikmeter Erde an- und abgefahren sowie 365 Entschädigungsfälle geregelt werden. Der Bau des damals „teuersten Autobahnteilstücks Nordrhein-Westfalens“ führte zum Abriß von 65 Häusern und der Verlagerung von rund 50 Gewerbebetrieben. 250 Mieter zogen um, eine Kirche fiel der Spitzhacke zum Opfer. Das „Wunderwerk der Straßenbaukunst“ ist auch heute noch das Kernstück der ehemaligen B 326. Diese als „Wupper-Schnell-Weg“ bekannt gewordene nördliche Entlastungsstraße durchzieht seitdem als A 46 das Tal der Wupper. Beim Bau des Sonnborner Knotens mußten komplizierte technische Probleme gelöst werden. Der damalige stellvertretende Leiter des Fernstraßenneubauamtes Wuppertal, Friedrich Röllinghoff, erinnert sich: „Als besonders problematisch entpuppte sich die Tatsache daß Wupper, Schwebebahn und die Hauptstrecke der Bundesbahn von Hagen nach Düsseldorf in die Baumaßnahmen einbezogen werden mußten“. Gleichzeitig galt es auch, das Netz der innerstädtischen Versorgungsleitungen ohne Störungen aufrecht zu erhalten. Die Ingenieure lösten diese Schwierigkeiten durch technische Glanzleistungen. Sie senkten das Bett der Wupper auf 1950 Meter Länge ab, hoben das die Autobahn Überquerende Fahrgerüst der Schwebebahn um rund zwei Meter auf einer Länge von 485 Metern an, führten die innerörtliche Hauptstraße – die „Neue“ Sonnborner Straße mittels einer 82 Meter langen Brücke über das Kreuz und verlängerten die Bundesbahnbrücke über dem Autobahnknoten von 20 auf 128 Meter Länge. Diplom-Ingenieur Röllinghoff: „Die Bauarbeiten an der Eisenbahnbrücke mußten unter laufendem Verkehr durchgeführt werden, täglich rollten 400 Züge über diesen Bauabschnitt“. Insgesamt wurden im Kernbereich des Sonnborner Kreuzes 24 Brücken mit einer Gesamtlänge von rund 300 Metern gebaut.

 

Ein Stadtteil wurde geteilt

Kein Zweifel – seit Fertigstellung des Sonnborner Kreuzes gehört das vom Durchgangsverkehr verursachte Verkehrschaos entlang der Talsohle der Vergangenheit an. Das ehrgeizige Riesenprojekt der Straßenbauer aber hat Sonnborns Leben grundlegend verändert. Insgesamt wurden 65 Gebäude mit 576 Wohnungen abgerissen. 2 000 Einwohner mußten „umgesiedelt“ werden. Bergische Schiefer- und Fachwerkhäuser fielen dem Bagger ebenso zum Opfer wie ein Fußballplatz, zwei Kinderspielplätze und die im neugothischen Baustil errichtete katholische Kirche St. Remigus. Der Verkehr forderte seinen Tribut in der Remigusstraße, der Sonnborner Straße, Am Lockvogel und in der Straße Am Thun. Die Sonnborner sahen dem Abbruch mit geteilter Meinung zu: Zwar verschwanden Häuser, die erheblich sanierungsbedürftig waren, aber es wurden auch Namen ausgelöscht, die über Generationen zu Sonnborn gehörten: Café Kürten, Metzger Webers, Textil-Meyer. Aber auch Schwaferts Saalbau mußte dem Autobahnkreuz weichen. Der General-Anzeiger schrieb am 28. Januar von „einem Stück Alt-Sonnborn, daß der Spitzhacke zum Opfer fiel“. Jahrelang kämpften die Sonnborner gegen das ihnen zugedachte Betonkreuz. Beim Nachlesen der alten Festreden läßt sich aber auch sehr gut gut die Begeisterung herausspüren. Da wurde im Rückblick das „Raffinement modernster Technik“, das „Wunderwerk der Straßenbaukunst“ und das „Größte Autobahnkreuz Europas“ gepriesen. Michael Metschies, Vorsitzender der Wuppertaler Abteilung des Bergischen Geschichtsvereins, dazu: „Die Bedeutung einer Stadt wird nicht allein danach berechnet, wie schnell man von einem Stadtteil zum anderen kommt“. Auch Straßenbauer Röllinghoff räumt ein, daß ein solches Projekt heutzutage kaum mehr eine Chance hätte. Daß Sonnborn es verkraftete, daß ein ganzes Viertel aus dem Stadtteil herausgerissen wurde, verdankt sie dem Mut ihrer Bürger und Kaufleute. Mit Ideen, Blumen, Bänken und der Renovierung der Läden entlang der „alten Sonnborner Straße“ schaffte man es, dem, vom Autobahnbau stark gebeutelten Stadtteil ein neues Gesicht und neue Hoffnung zu geben.

 

Ruthenbeck

Obwohl Sonnborn an der Wupper liegt, ist der Fluss dort kaum zu finden. Er wird, nachdem ihn das Schwebebahngerüst an der Hauptkirche verlassen hat, völlig von Bäumen und Gestrüpp zugedeckt. An der kleinen Siedlung Ruthenbeck zeigt sich die Wupper allerdings in ihrem natürlichen Zustand. Und die Fachwerkhäuser mit ihrer malerischen Hofschaft präsentieren sich nach ihrer Restaurierung wieder in altem Glanz.

 

Boltenberg

In dem Waldstück südlich von Sonnborn liegt das Wohnviertel Boltenberg, das an den Zoologischen Garten angrenzt. Der Rittersitz Lüntenbeck hatte hier im Mittelalter ein Hofesgut, auf dessem Grund und Boden sich heute die prachtvolle Villa Boltenberg erhebt. Der mit durchdringenden Satteldächern und einer Kombination aus Ziegel und Holzverschalung im Jahre 1903 fertiggestellte Landsitz liegt in einer weiträumigen Parkanlage.

 

Lüntenbecker Bahnhof

Versteckt zwischen Wälder liegt der Bahnhof Lüntenbeck am Rande der gleichnamigen Siedlung. Hier teilte sich die Rheinische Strecke. Während der rechte Schienenstrang nach Mettmann führt, kommt man über den linken zum Vohwinkler Bahnhof. Wie alle übrigen Haltepunkte ist auch diese Station völlig verwildert und vergammelt und nur noch ein kleiner Biergarten erinnert an die einstige Eisenbahn. Zu ihrer Sterbezeit hielt an jedem der vier Bahngleise täglich ein Personenzug.

 

Schloss Lüntenbeck

Wenn man auf Wuppertals Strassen die vielen Wegweiser nach Schloss Lüntenbeck sieht, dürfte einem auch als Außenstehendem klar sein, dass er im Norden Sonnborns keinen großflächigen Monumentalbau erwarten kann. Denn Wuppertal ist nie Sitz eines Landesherrn, eines Bischofs oder einer sonstigen Autorität gewesen, dessen Machtwille sich in einem prunkvollen Palast hätte ausdrücken können. Zwar hat das mittelalterliche Wuppertal drei Burgen hervorgebracht (Burg Elverfeld, die Beyenburg und die Wehrbefestigung im Burgholz), doch sind von den einstigen Bauten allenfalls bescheidene Reste der Grundmauern übriggeblieben. Bei dem einzigen Schlösschen, welches Wuppertal heute noch aufweisen kann, handelt es sich um den ehemaligen Rittersitz Lüntenbeck, dessen erste Erwähnung bereits im 13. Jahrhundert zu verzeichnen ist. Sein Ursprung geht auf die Äbtissinnen von Gerresheim zurück. Während die Mächtigkeit der Torsockel am Eingang zum Burghof auf ein hohes Alter der steinernen Befestigung schließen lassen, dürfte das Herrenhaus erst Anfang der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts errichtet worden sein. Nachdem das heruntergekommene Gebäude in den siebziger Jahren auf Privatinitiative wieder instandgesetzt worden ist, präsentiert sich das nette Schlösschen im Grünen als Restaurant und Ausflugsziel. Die Ortschaft selbst stellt sich als eine ruhige Wohnsiedlung dar, die von Sonnborn und Vohwinkel über einen Feldweg zu erreichen ist. Berühmt ist Lüntenbeck aber auch wegen seines malerischen Weihnachtsmarktes, der zu den schönsten in Wuppertal zählt und zur Adventszeit alljährlich tausende Besucher in den Schlosshof zieht.

 

Vohwinkel

Der mit über 33 000 Einwohnern drittgrößte Stadtteil Wuppertals verdankt seine Bedeutung einzig und allein einer Begebenheit, nämlich dem Eisenbahnbau. Denn im Jahre 1840 standen im heutigen Zentrum von Vohwinkel gerade einmal drei Häuser. Zwei Wirtschaften, von denen eine gleichzeitig eine Herberge für Fuhrwerker war, und ein Wohnhaus an der Strasse nach Dornap. Seinen Namen wurde Vohwinkel damals jedenfalls gerecht, denn mit „Fuchswinkel“ war wohl nichts anderes als ein Ort gemeint, der ausgesprochen einsam und trostlos zu sein schien. Bevor Vohwinkel 1816 im Zuge der neuen Kreiseinteilung zur Bürgermeisterei Haan kam, gehörte es zum benachbarten Sonnborn, das damals vor allem Zwischen- und Übernachtungsstation für Händler und Reisende nach Elberfeld war. 1841 fuhr an Vohwinkel der erste Zug von Düsseldorf nach Elberfeld vorbei und 1847 begann man den Bau der Prinz-Wilhelm-Bahn nach Essen, die in Vohwinkel mit der Bergisch-Märkischen Strecke zusammenlief. Für den kleinen Ort, der weder an der Wupper noch an einem anderen Fluss oder Bach lag, bedeutete dies der bedeutende Wendepunkt. 1850 setzte die erste größere Besiedlung durch Menschen ein, deren Beruf mit der Eisenbahn zusammenhing. 1867 wurde Vohwinkel zusammen mit Sonnborn selbständige Bürgermeisterei, 1873 bekam der Ort einen eigenen Bahnhof und wurde fünfzehn Jahre später selbständige Gemeinde. Als im Jahre 1887 die Eisenbahntrasse nach Solingen fertig war und 1896 der Anschluss an die Rheinische Strecke dazukam, entwickelte sich Vohwinkel zu einem bedeutenden Verkehrsknotenpunkt und Güterumschlagplatz. Nach dem Bau der Schwebebahn war Vohwinkels Zugehörigkeit zu Wuppertal offensichtlich. Aber noch acht Jahre vor dem offiziellen Zusammenschluss mit Elberfeld und Barmen konnte sich der Ort mit Fuchs und Winkel im Wappen eigenständige Stadt nennen.

 

Vohwinkler Bahnhof

Der erste Bahnhof Vohwinkels wurde 1873 am Stationsgarten eingeweiht. Diese Lage erwies sich schon bald als ungünstig, da an jener Stelle keine Anschlussmöglichkeit für den Personenverkehr der Prinz-Wilhelm-Bahn, die ins Ruhrgebiet führte, gegeben war. So kam im Jahre 1908 der jetzige wesentlich größere Bahnhof mit dem im Jugendstil errichteten Empfangsgebäude hinzu, der sich in einer Insellage zwischen den Strecken befindet. Links vom Hauptgebäude liegt der Bahnsteig für die Züge nach Essen und rechts erstrecken sich zwei Bahnsteige für die Bergisch-Märkische- und einer für die Anschlussverbindung zur Rheinischen Bahn. Letztere wurde in jüngster Zeit als Bahnsteig für die S – Bahn eingerichtet. Am Bahnhofsvorplatz sind rechtwinklig zum Hauptgebäude ein Post- und ein Eilgutgebäude im gleichen Baustil entstanden, die heute beide anderweitig genutzt werden.

 

Lienhardplatz

Während der Kaiserplatz als Mittelpunkt Vohwinkels im eigentlichen Sinne eine große Strassenkreuzung ist, haben die Vowinkler mit dem Lienhardplatz nur einige Meter vom Zentrum entfernt seit 1894 einen Markt- und Stadtplatz. Die in der Nachkriegszeit zwar ständig genutzte aber im Laufe der Zeit ziemlich verkommene Fläche wurde von 1992 bis 1993 neu gestaltet. Seitdem präsentiert sich das Areal mit neuem Pflaster und üppiger Bepflanzung.

 

Vohwinkels Kirchen

Die beiden historischen Vohwinkler Kirchen verstecken sich hinter Häuserzeilen oder dichten Bäumen. Ihre Türme allerdings überragen zusammen mit dem Rathausturm alle übrigen Gebäude des Stadtteils. Besonders schmuckvoll ist die 1907 im neugotischen Stil errichtete katholische St. Mariä Empfängnis. Die dreischiffige Sandsteinbasilika ist in der Gräfrather Strasse zu finden. An der Gräfrather Strasse nicht unweit davon entfernt steht die Kirche der evangelischen Kirchengemeinde Vohwinkel. Sie wurde 1890 eingeweiht.

 

Verwaltungshaus

Das mit Abstand schönste Gebäude Vohwinkels ist sein ehemaliges Rathaus, welches von 1897 bis 1899 erbaut wurde. Dessen markanter Turm, der seitdem das Stadtbild Vohwinkels schmückt, ist Wahrzeichen des Stadtteils. Früher waren hier neben der Gemeindeverwaltung auch die Sparkasse und das Polizeigefängnis untergebracht. Heute beherbergt das Gebäude die Bezirksvetretung, die Bezirksverwaltung und die Stadtteilbibliothek.

 

O – Buslinie

In heutiger Zeit existieren in Deutschland nur noch ganz wenige Oberleitungsbusse. Auf Wuppertaler Gebiet führt eine von den Solinger Stadtwerken betriebene O – Buslinie vom Vohwinkler Schwebebahnendbahnhof nach Schloss Burg. Nach dem Krieg gab es bis Ende der sechziger Jahre auch in Oberbarmen ein ausgeprägtes      O – Bus Netz. Die Strecken führten vom Berliner Platz nach Ronsdorf, Beyenburg, Langerfeld, Wichlunghausen und zum Alten Markt.

 

Schwebebahn in Vohwinkel

Nirgends wird das Stadtbild so stark von der Schwebebahn bestimmt wie in Vohwinkel und Sonnborn. Während die Bahn auf Elberfelder und Barmer Gebiet dem Wupperlauf folgend meist an alten Fabrikgebäuden entlang schwebt oder hinter großkronigen Bäumen oder Schluchten verschwindet, durchquert sie die beiden westlichen Stadtteile Wuppertals über ihren Hauptverkehrsstrassen. Für einen Fremden dürfte dieser einmalige Anblick wohl voller Faszination sein, für die Vohwinkler selbst ist das seit fast hundert Jahren Normalität. Dabei schrien vor allem die Sonnborner damals Zeter und Mordio, als man das „Ungetüm“ oder „Satanswerk“, wie kritische Betrachter die Schwebebahn anfangs bezeichneten, ausgerechnet mitten durch die Hauptstrasse führen wollte. Aber trotz ihres Protestes wurde die Bahn planmäßig gebaut und die Bewohner beider Stadtteile mussten sich an den ohrenbetäubenden Lärm der Wagen gewöhnen. Die Station im Vohwinkler Zentrum ist seit 1901 der westliche Endbahnhof der Schwebebahn. Hier befindet sich auch das Hauptdepot und die Werkstatt. Für die Vohwinkler ist die Bahn seit jeher unentbehrlich gewesen, denn sie ist, von der Eisenbahn abgesehen, das einzige Nahverkehrsmittel ins Wuppertaler Zentrum. Zur Hauptverkehrszeit sind die Sitzplätze der Wagen bereits am Vohwinkler Endbahnhof fast vollständig ausgelastet.

 

Flohmarkt in Vohwinkel

Ein paar phantasievolle zusammengezimmerte Trödlerstände auf dem Lienhardtplatz, so fing 1970 an, was sich zu einem Weltrekord entwickeln sollte. Der Vohwinkler Flohmarkt, entwickelte sich von einer bescheidenen, improvisierten Stadtteilveranstaltung zum weltgrößten Eintagesflohmarkt mit entsprechender Eintragung ins Guiness-Buch der Rekorde. Inzwischen ist es Tradition geworden, daß am letzten Septembersonntag die Vohwinkler Kaiserstraße in ein Mekka für Trödel-, Kunst- und Kitschsammler verwandelt. Und ebenso scheint es fast Tradition, daß im regengewöhnten Wuppertal an diesem Herbstwochenende noch einmal die Sommersonne zum Vorschein kommt. 300 000 bis 400 000 Menschen sind am Flohmarkttag Gäste der Arbeitsgemeinschaft Vohwinkler Vereine, die das Trödelspektakel jedes Jahr veranstalten. Sie schlendern vorbei an 500 bis 600 Verkaufsstände, die unzähligen Kinderstände dazwischen gar nicht mitgezählt. Trotz des Massenandrangs und trotz der räumlichen Enge, durch die sich die Scharen drücken, bis auf kleinere Zwischenfälle läuft der Vohwinkler Flohmarkt in aller Regel komplikationslos ab. Doch das ist sicher nur, weil ein routiniertes Team fast ein Jahr lang mit Sorgfalt an den Vorbereitungen arbeitet. Auf Millimeterpapier wird der Standplan erstellt. Mehrere Gespräche mit der Stadt, den Stadtwerken und der Polizeibehörde stellen sicher, daß die Straßensperrungen, die Stromversorgung der Stände, die Freihaltung von Sicherheitswegen, oder der anschließende Kehraus der Müllkolone des Fuhramtes reibungslos über die Bühne gehen. Spätestens wenn die Abrechnung vom letzten Flohmarkt erledigt sind, müssen die Vorbereitungen für den Neuen starten. Irgendwann im Frühjahr dann steht den Organisatoren ein erster „Großkampftag“ ins Haus. Schon Stunden bevor im Vohwinkler Bahnhof die Anmeldeformulare für Standinteressenten vergeben werden, herrscht in der Halle vor der Bahnhofsgaststätte dichtes Gedränge. Zwei Stunden reichen, bis alle vorhandenen Anmeldeformulare vergeben sind. Wenn am Veranstaltungstag selbst Schirmherren, in der Regel der Ministerpräsident des Landes, der Oberbürgermeister und ein weiterer Politiker von Rang und Namen, den Flohmarkt für eröffnet erklärt, hat Vohwinkel schon ein paar „heiße Stunden“ hinter sich. Da war die Nacht des Aufbaus, die die Kaiserstraße in einen Trödelmarkt verwandelt. Da waren die frühen Stunden im Morgengrauen, die echte Raritätenkenner an die noch prall gefüllten Auslagen der Verkäufer locken. Und da war nicht zuletzt bereits der Vortrag gewesen, der inzwischen ebenfalls in guter Tradition von den in der Aktion V* zusammengeschlossenen Vohwinkler Kaufleuten als „Markt der Vohwinkler Möglichkeiten“ genutzt wird, und am Spätnachmittag und Abend in die Verantwortlich-keit der Arbeitsgemeinschaft Vohwinkler Vereine wechselt.

 

Haus Hammerstein

Das zwischen Vohwinkel und Sonnborn gelegene Wohnviertel Hammerstein ist das Exklusivviertel des Wuppertaler Westens. Neben den vielen ansehnlichen Villen ist aber vor allem ein Gebäude erwähnenswert, das dem Viertel seinen Namen gab. Denn die Ursprünge des 1604 erbauten Hauses Hammerstein reichen bis weit ins Mittelalter, als ein vorm Kaiser geflohener Graf im Bergischen Land Schutz finden konnte und hier am Steilufer der Wupper seinen Hof errichtet hat.

 

Schöller

Die niederbergische Ortschaft Schöller an der Düssel wurde zusammen mit dem benachbarten Strassendorf Hahnenfurth und der Streusiedlung Dornap erst bei der Gebietsreform 1975 nach Vohwinkel eingemeindet. Interessant ist jedoch, dass an dem Dorf Schöller, das bereits 1182 urkundlich erwähnt wurde, die Jahrhunderte fast spurlos vorübergegangen sind. Während sich etliche andere Siedlungen in dieser Gegend zu größeren Städten entwickelt haben, ist in Schöller alles so geblieben, wie es immer schon war. Der abgelegene Ort liegt etwa sechs Kilometer vom Vohwinkler Zentrum entfernt und beherbergt nur wenige hundert Menschen. Eine traditionsreiche Vergangenheit hat er allerdings schon aufzuweisen, wie man an den alten Fachwerkhäusern, dem Kirchturm und dem mittelalterlichen Bergfried unschwer erkennen kann. Der profane, aus Kohlensandstein errichtete Turm mit seinem vierseitigen Pyramidendach wird im Volksmund Schinderhannesturm genannt. Denn in ihm wurde Anfang des 19. Jahrhunderts der im bergischen Land berüchtigte Räuberhauptmann Kob Hannes eingesperrt, nachdem etliche Versuche ihn zum Verrat an seinen flüchtigen Kumpanen zu bewegen gescheitert waren, wurde er an den Galgen gebracht. Der Bergfried gehört seit jeher zum Gut Schäsberg, dem damaligen Hofesgut der Familie von Schöller, die 1697 ausgestorben ist und ihren Besitz den Grafen von Schäsberg vermacht hat. Im 18. Jahrhundert wurden die Häuser des Gutshofes abgetragen und durch neuere Wirtschaftsgebäude ersetzt, die zum Teil noch heute erhalten sind. Hinter dem Hof liegt die Reformierte Kirche, dessen Turm das Ortsbild überragt. Er stammt aus dem 12. Jahrhundert und war ursprünglich Bestandteil eines romanischen Gotteshauses. Die Gemeinde der kleinen Dorfkirche gilt übrigens als erste protestantische Kirche des Rheinlandes.

 

Dornap – Hahnenfurth

Die Ortschaft Hahnenfurth liegt etwa einen Kilometer von Schöller entfernt an der Landstrasse nach Düsseldorf. Sie besitzt keine Kirche, wohl aber einen inzwischen stillgelegten Bahnhof. Dornap hat zwar auch einen Bahnhof und eine Post aber keinen Ortskern. Geprägt wird die gesamte Gegend von riesigen Steinbrüchen und Kalkwerken. Der Raum Dornap / Wülfrath ist Hauptort der deutschen Kalkherstellung.

 

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